TIM-Messenger: Arzt-zu-Arzt-Kommunikation jenseits von KIM
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TIM-Messenger: Arzt-zu-Arzt-Kommunikation jenseits von KIM

15. Mai 2026 4 Min Lesezeit

TIM ermöglicht Echtzeitkommunikation zwischen Ärzten in der Telematikinfrastruktur. Anders als KIM für strukturierte Dokumente dient TIM dem direkten Austausch – ähnlich WhatsApp, aber sicher und rechtssicher.

# TIM-Messenger: Arzt-zu-Arzt-Kommunikation jenseits von KIM

Die gematik hat mit TIM (Telematik-Infrastruktur-Messenger) einen sicheren Kommunikationsdienst für das Gesundheitswesen geschaffen. Während KIM (Kommunikation im Medizinwesen) vor allem für den strukturierten Versand von Dokumenten konzipiert wurde, ermöglicht TIM eine spontane, chatbasierte Kommunikation zwischen Leistungserbringern. Für Arztpraxen bedeutet dies eine datenschutzkonforme Alternative zu herkömmlichen Messenger-Diensten.

Was TIM ist und wie es sich von KIM unterscheidet

TIM ist ein Instant-Messaging-Dienst innerhalb der Telematikinfrastruktur. Der Dienst basiert auf dem offenen Matrix-Protokoll und ermöglicht Echtzeitkommunikation zwischen authentifizierten Teilnehmern. Im Gegensatz zu KIM, das auf dem klassischen E-Mail-Prinzip beruht und primär für den Versand strukturierter medizinischer Dokumente wie eArztbriefe oder eAU ausgelegt ist, funktioniert TIM nach dem Vorbild moderner Messenger-Apps.

Die wesentlichen Unterschiede im Überblick:

KIM transportiert Dokumente asynchron, ähnlich wie E-Mail. Der Versand erfolgt über KIM-Adressen, die Zustellung kann zeitverzögert erfolgen. KIM eignet sich für formelle medizinische Korrespondenz und erfüllt bereits seit 2021 gesetzliche Anforderungen etwa für die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

TIM ermöglicht synchrone Kommunikation in Echtzeit. Nutzer können Textnachrichten, Bilder und Dateien unmittelbar austauschen, Gruppenchats anlegen und sehen, ob Gesprächspartner online sind. TIM ist gedacht für die schnelle Abstimmung im klinischen Alltag – etwa zwischen Hausarzt und Facharzt bei einer konsiliarischen Frage oder innerhalb eines Praxisteams.

Beide Dienste erfordern eine Authentifizierung über den elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) oder die SMC-B der Praxis. Dadurch ist sichergestellt, dass nur legitimierte Leistungserbringer teilnehmen können.

Konkrete Anwendungsfälle für TIM in der Praxis

TIM eignet sich überall dort, wo eine zeitnahe, informelle Kommunikation zwischen Ärzten erforderlich ist:

  • Konsiliarische Abstimmung: Ein Hausarzt möchte rasch mit einem Facharzt Befunde besprechen, bevor ein Patient weitergeleitet wird.
  • Interdisziplinäre Fallbesprechungen: Mehrere Behandler eines Patienten koordinieren sich in einer Gruppe, etwa in der ambulanten Versorgung komplexer Fälle.
  • Praxisinterne Kommunikation: Mitarbeiter verschiedener Standorte oder im Bereitschaftsdienst tauschen sich geschützt aus.
  • Verlegungsmanagement: Kliniken und niedergelassene Ärzte klären organisatorische Details vor oder nach stationären Aufenthalten.

Wichtig: TIM ersetzt nicht die Dokumentation in der Patientenakte. Relevante Inhalte aus TIM-Chats müssen weiterhin in der Praxissoftware dokumentiert werden. Einige Systeme, darunter Praxis-IT, arbeiten an Schnittstellen, um diesen Prozess zu vereinfachen.

Roll-out und technische Anbindung

Die gematik hat TIM im Jahr 2023 in die Testphase gebracht. Seit Frühjahr 2024 läuft die schrittweise Einführung im Produktivbetrieb. Praxen können TIM nutzen, sobald ihr Praxisverwaltungssystem oder ein externer TI-Anbieter einen zugelassenen TIM-Client bereitstellt.

Die Anbindung erfolgt über den Konnektor, der bereits für andere TI-Dienste wie KIM oder die eGK-Prüfung im Einsatz ist. TIM-Clients können sowohl als Desktop-Anwendung in der Praxis als auch mobil auf Smartphones oder Tablets genutzt werden – vorausgesetzt, die Authentifizierung über eHBA oder SMC-B ist gewährleistet.

Für mobile Nutzung gibt es technische Lösungen, bei denen der eHBA einmalig registriert wird und anschließend über eine sichere Tokenisierung auch von unterwegs genutzt werden kann. Die Details regeln die jeweiligen Anbieter; zentrale Anforderung bleibt die Zwei-Faktor-Authentifizierung.

Sicherheits- und Datenschutz-Setup

TIM erfüllt die Anforderungen der DSGVO und der ärztlichen Schweigepflicht. Alle Nachrichten werden Ende-zu-Ende-verschlüsselt übertragen. Die Verschlüsselung basiert auf dem bewährten Matrix-Protokoll mit Olm- und Megolm-Kryptografie, die auch in anderen sicheren Messengern zum Einsatz kommt.

Zentrale Sicherheitsmerkmale:

  • Authentifizierung: Jeder Teilnehmer muss sich mit eHBA oder SMC-B legitimieren. Unbefugte haben keinen Zugang.
  • Verschlüsselung: Nachrichten sind auf dem Transportweg und auf den Servern verschlüsselt. Nur Sender und Empfänger können sie entschlüsseln.
  • Föderierte Architektur: TIM nutzt ein föderiertes System. Es gibt nicht einen zentralen Server, sondern mehrere TIM-Anbieter, die untereinander kommunizieren. Praxen wählen ihren Anbieter, können aber mit allen anderen TIM-Nutzern kommunizieren.
  • Protokollierung: Zugriffe und Authentifizierungen werden revisionssicher protokolliert, um Missbrauch nachvollziehbar zu machen.

Aus Datenschutzsicht ist zu beachten: TIM-Nachrichten bleiben auf den Endgeräten und Servern der TIM-Anbieter gespeichert. Praxen sollten in ihren internen Richtlinien regeln, wie lange Chat-Verläufe aufbewahrt werden und wann sie zu löschen sind. Eine Integration in das Praxisverwaltungssystem erleichtert die rechtssichere Archivierung behandlungsrelevanter Inhalte.

Der Roll-out von TIM verläuft parallel zu anderen TI-Diensten. Für Praxen gilt: TIM ist kein Ersatz für KIM, sondern eine Ergänzung für den klinischen Alltag, in dem schnelle Abstimmungen zunehmend digital stattfinden müssen.

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